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Ängste auf beiden Seiten abbauen
Live-Diskussion im Imster Kabel TV zum Thema Integration
Zwei aktuelle Anlässe nannten die Organisatoren, die ausschlaggebend für die Themenwahl der letzten Live-Diskussion im Imster Kabel-Fernsehen waren: der versuchte Brandanschlag auf ein türkisches Wohnhaus in Imst und der Wirbel um die Bauverhandlung des Minaretts in Telfs. Eine interessante Gesprächsrunde diskutierte vor laufenden Kameras zum Thema Integration.
Gesprächsrunde zum Thema
Integration im Imster
Kabel-Fernsehen: Moderator
Meinhard Eiter, Bedrettin Murat,
Johann Ortner, Horst Strobl, Osman
Saltan, Christian Jonak (Kabel TV),
Gerhard Reheis (stehend v.l.); Vorne
das Kabel-TV-Team (v.l.): Birgit
Peischl, Manfred Siegl, Hannes
Preschern und Alfred Lang.
RS-Fotos: Köhle
Schon die Besetzung der
Gesprächsrunde versprach
Spannung: Bedrettin Murat, ein
18-jähriger in Imst lebender Türke,
der Telfer Gemeindevorstand
Johann Ortner, Osman Saltan,
Sprecher des Türkisch-Islamischen
Vereins für kulturelle und soziale
Zusammenarbeit (Atib), Major Horst
Strobl, Oberländer
Viertel-Kommandant der Schützen
und der Imster Bgm. Gerhard Reheis
diskutierten unter der Moderation von
Vize.-Bgm. Meinhard Eiter.
KULTREN-MIX IN IMST. In seinem Eingangsstatement lieferte Gerhard Reheis Zahlen aus Imst: "Insgesamt leben Menschen aus 53 Nationen in unserer Stadt. Von 9.637 Einwohnern sind 8.577 Österreicher, 1.060 Einwohner besitzen eine andere Staatsbürgerschaft. Wo so viele Kulturen zusammenleben, ist Toleranz unerlässlich.” Der Telfer Gemeindevorstand Johann Ortner lobte Bürgermeister Stephan Opperer: "Er hatte keine andere Wahl, als das Bauwerk zu genehmigen. Ein Gebetsturm erfüllt den gleichen Zweck wie ein Kirchturm.” PROVOKATION. Anderer Meinung war da Schützenkommandant Major Horst Strobl: "Das Minarett passt nicht in unsere abendländische Kultur und ist für uns Schützen eine Provokation.” Er sei zwar nicht gegen den Islam, aber Integration müsse für Strobl anders ausschauen. Der Beitritt von Türken zur Schützenkompanie sei aufgrund der Verankerung in den Statuten nicht möglich. Eine Statutenänderung, wie sie der Telfer Kommunalpolitiker Ortner vorschlug, kommt für Strobl nicht in Frage: "Seit Jahrhunderten basiert das Schützenwesen auf dem christlichen Glauben. Das kann man nicht einfach ändern.” ÄNGSTE ABBAUEN. Quintessenz der Diskussion war die Erkenntnis, dass Integrationsarbeit weiterhin dringend notwendig ist. Ängste und Vorurteile gilt es laut Saltan auf beiden Seiten abzubauen: "Fremdes und Unbekanntes macht Angst. Hinzu kommen sprachliche Barrieren. Anstatt mit Einheimischen in Dialog zu treten, erfolgt oft der Rückzug in Gruppen. Daran müssen wir arbeiten”, analysiert er und ergänzt: "Der Gebetsturm hat für uns symbolischen Charakter. Die Höhe ist letzten Endes nicht ausschlaggebend, daher die Kompromiss-Lösung mit 15 statt 20 Metern.” VOSCHLÄGE. "Das Geld, das für den Bau des Gebetsturmes notwendig ist, sollte man besser in Sprachkurse investieren”, lautet Stobls Vorschlag für "bessere Integration”. Reheis regte die zweisprachige Erziehung ausländischer Kinder an: "Wenn sie in den Kindergarten kommen und schon das Wichtigste verstehen, ist allen geholfen.” |